Tote Dichter

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Mail von Rainer Baginski, Februar 2007

Habe Dir zur Abwechslung was aus der Zeitung abgeschrieben, weil manchmal andere Leute etwas einfach besser können als unsereines. Das folgende ist ein Gedicht von Yehuda Amichai, einem Israeli.

Wenn ich sterbe

Wenn ich sterbe, dann möchte ich, dass nur Frauen während der Chevra Kadisha mich berühren.Und mit meinem Körper machen, was ihnen beliebt, meine Ohren säubern von den letzten Worten, die ich vernahm, von meinen Lippen wischen die letzten Worte, die ich sagte, die Ansichten löschen, die ich mit meinen Augen sah, meine sorgenvolle Stirn glätten
und meine Arme über der Brust falten wie die Ärmel eines Hemdes nach dem Bügeln. Mein Fleisch mit duftendem Öl besänftigen, um mich für einen Tag zum König des Todes zu salben und in meinem Beckenrund wie in einer Fruchtschale Hoden und Penis, Nabel und gekräuseltes Haar ordnen
Zu einem prunkvollen Stilleben aus einem vergangenen Jahrhundert,
einem richtig reglosen Leben auf dunklem Samt, und mit einer Feder die Öffnung von Mund und Anus kitzeln, um herauszufinden Regt er sich noch?
Und bald lachen, bald weinen und eine letzte Massage verabreichen,
sodass es von ihren Händen durch mich an die ganze Welt weitergegeben wird bis zum Ende aller Tage. Und eine von ihnen wird singen “Herr, erbarme Dich unser”, mit süßer Stimme singen “Barmherziger Leib”,
um Gott daran zu erinnern, dass Erbarmen aus dem Leib kommt, wirkliches Erbarmen, wirklicher Leib, wirkliche Liebe, wirkliche Anmut. Das ist es, bei meinem Leben, was ich mir im Tod wünsche, im Leben, bei meinem Leben.

Finde ich überwältigend schön und kein bißchen traurig.

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