„Mein richtiges Herz, das ist anderwärts, irgendwo, im Muschelkalk. Joachim Ringelnatz

Neuss 1

Ich bin eine alte Kommode. Oft mit Tinte oder Rotwein begossen; Manchmal mit Fußtritten geschlossen. Der wird kichern, der nach meinem Tode mein Geheimfach entdeckt. – Ach Kind, wenn du ahntest, wie Kunitzburger Eierkuchen schmeckt! Das ist nun kein richtiger Scherz. Ich bin auch nicht richtig froh. Ich habe auch kein richtiges Herz. Ich bin nur ein kleiner, unanständiger Schalk. Mein richtiges Herz, das ist anderwärts, irgendwo, im Muschelkalk. …Joachim Ringelnatz nannte seine Liebste „Muschelkalk“. „Mein richtiges Herz“- neben den Hafis Gedichten das Lieblingsgedicht meines Vaters. Und so bekam er von Sibylle, die so sehr kämpfen musste einen Pfarrer+Friedhof zu finden, die ihn in die Erde liessen, den Muschelkalk Grabstein. Eine letzte Liebesgabe, sozusagen. Das Nutzungsrecht für das Grab ist abgelaufen und dann landen die Reste bekanntlich auf einer Art Friedhofsmüllkippe. Merci an Wolfgang Weyrauch, der feine Steinmetzmeister aus Bielstein, der den Stein abholen, ihn säubern wird und zu mir an die belgische Grenze bringt. Merci Wolfgang.


Neunzehnhundertneunundsechzig, das Jahr, in dem sie den Mond beflaggten. Das Jahr, in dem er verschwand. Karfreitag, schöner Tag, schön ruhig, schön zum Ausschlafen.