„Mein richtiges Herz, das ist anderwärts, irgendwo, im Muschelkalk. Joachim Ringelnatz

Neuss 1

Ich bin eine alte Kommode. Oft mit Tinte oder Rotwein begossen; Manchmal mit Fußtritten geschlossen. Der wird kichern, der nach meinem Tode mein Geheimfach entdeckt. – Ach Kind, wenn du ahntest, wie Kunitzburger Eierkuchen schmeckt! Das ist nun kein richtiger Scherz. Ich bin auch nicht richtig froh. Ich habe auch kein richtiges Herz. Ich bin nur ein kleiner, unanständiger Schalk. Mein richtiges Herz, das ist anderwärts, irgendwo, im Muschelkalk. …Joachim Ringelnatz nannte seine Liebste „Muschelkalk“. „Mein richtiges Herz“- neben den Hafis Gedichten das Lieblingsgedicht meines Vaters. Und so bekam er von Sibylle, die so sehr kämpfen musste einen Pfarrer+Friedhof zu finden, die ihn in die Erde liessen, den Muschelkalk Grabstein. Eine letzte Liebesgabe, sozusagen. Das Nutzungsrecht für das Grab ist abgelaufen und dann landen die Reste bekanntlich auf einer Art Friedhofsmüllkippe. Merci an Wolfgang Weyrauch, der feine Steinmetzmeister aus Bielstein, der den Stein abholen, ihn säubern wird und zu mir an die belgische Grenze bringt. Merci Wolfgang.


Neunzehnhundertneunundsechzig, das Jahr, in dem sie den Mond beflaggten. Das Jahr, in dem er verschwand. Karfreitag, schöner Tag, schön ruhig, schön zum Ausschlafen.


Michael Jackson: walked through fire and has booked a return trip

With that wincing smile, Jackson was like a wounded orphan who has walked through fire and has booked a return trip.  Times

Hinreißend überirdisch, der New Yorker Organist der Trinity Wall Street Church ehrt Michael Jackson. Er spielt Billie Jean in der Kirche. Für mich angemessener als die läppische Trauerfeier, please click:

An Organ Tribute to Michael Jackson at Trinity Wall Street

He was a Darling, like all those who does things for love. Arleen Schloss, Digital Art Performer, NYC.

Michael Jackson und James Brown on stage

Doctor Prince, Mister Jackson – eine Dokumentation auf Arte behauptet, James Brown, Michael Jackson und Prince hätten nie zusammen auf der Bühne gestanden. Stimmt nicht, wie ein Klick auf die rote Schrift beweist. Besteht der Wunsch mal etwas Substantielles über Michael Jackson zu erfahren? Die Gesprächsrunde des Schweizer Fernsehens, sehr zu empfehlen:

Michael Jackson – Erinnerungen an eine Ikone

Aus aktuellem Anlass wird der «Literaturclub» um eine Woche verschoben. Im «Club» diskutieren unter der Leitung von Röbi Koller:
Dieter Meier, Musiker von «Yello», Konzeptkünstler
Chris von Rohr, Musiker und Gründer von «Krokus»
Hanspeter Künzler, Kulturjournalist, Autor der Biografie «Michael Jackson – Black or White»
Roberta Locher-Dworkin, Traumapsychologin
Tanja Herrmann, Michael Jackson Fan
Zeno van Essel, Journalist

“Ich bedauere, dass ein so grosses Talent so unglaublich nun früh von uns geht. Ein Talent welches grosse Momente geschaffen hat. Ich vermisse den König der Popmusik” – Gilberto Gil, Sänger und Komponist und brasilianischer Kulturminister.


Abgeschrieben. Rainer Baginski.

Mail von Rainer Baginski, Februar 2007

Habe Dir zur Abwechslung was aus der Zeitung abgeschrieben, weil manchmal andere Leute etwas einfach besser können als unsereines. Das folgende ist ein Gedicht von Yehuda Amichai, einem Israeli.

Wenn ich sterbe

Wenn ich sterbe, dann möchte ich, dass nur Frauen während der Chevra Kadisha mich berühren.Und mit meinem Körper machen, was ihnen beliebt, meine Ohren säubern von den letzten Worten, die ich vernahm, von meinen Lippen wischen die letzten Worte, die ich sagte, die Ansichten löschen, die ich mit meinen Augen sah, meine sorgenvolle Stirn glätten
und meine Arme über der Brust falten wie die Ärmel eines Hemdes nach dem Bügeln. Mein Fleisch mit duftendem Öl besänftigen, um mich für einen Tag zum König des Todes zu salben und in meinem Beckenrund wie in einer Fruchtschale Hoden und Penis, Nabel und gekräuseltes Haar ordnen
Zu einem prunkvollen Stilleben aus einem vergangenen Jahrhundert,
einem richtig reglosen Leben auf dunklem Samt, und mit einer Feder die Öffnung von Mund und Anus kitzeln, um herauszufinden Regt er sich noch?
Und bald lachen, bald weinen und eine letzte Massage verabreichen,
sodass es von ihren Händen durch mich an die ganze Welt weitergegeben wird bis zum Ende aller Tage. Und eine von ihnen wird singen “Herr, erbarme Dich unser”, mit süßer Stimme singen “Barmherziger Leib”,
um Gott daran zu erinnern, dass Erbarmen aus dem Leib kommt, wirkliches Erbarmen, wirklicher Leib, wirkliche Liebe, wirkliche Anmut. Das ist es, bei meinem Leben, was ich mir im Tod wünsche, im Leben, bei meinem Leben.

Finde ich überwältigend schön und kein bißchen traurig.

Rainer Baginski gestorben

Am 27. Januar 2009

rainer-marz-07_kleiner1

„Jetzt sage ich Dir noch schnell, was mein allerletztes Krisenmanagement ist, wenn ich denke, es geht gar nicht mehr weiter. Dann höre ich nämlich immer das Deutsche Requiem von Brahms. Das hat mich noch jedesmal wieder stabilisiert, besonders der 3. Satz, ein Bariton-Solo. Man würde sich wünschen,es gäbe eines Tages eine Einspielung mit Thomas Quasthoff, aber vielleicht gibt es die ja schon. Ich denke, seiner Stimme ist irgendwie auf eine ganz reife, still-kluge Weise anzumerken, was für einen schweren Weg dieser Mann gehen mußte, was er wahrscheinlich hat zahlen müssen, um als Mensch unter Menschen bleiben zu dürfen. Also Brahms, Deutsches Requiem, op. 45. Ich habe eine sehr schöne, schon etwas altertümliche Aufnahme mit Wolfgang Sawallisch, den Wiener Symphonikern und dem Wiener Singverein. Deutsche Philips, 438 760-2. Aufgenommen im Februar 1962, da war ich 22 und gerade in den Sozialistischen Deutschen Studentenbund eingetreten und hatte definitiv beschlossen, Bürgerschreck zu werden. 

Was Dir auch bestimmt auffallen wird: Das Ding heißt nicht umsonst >Deutsches< Requiem. Es ist deutsch. Es ist wie wir. Und wenn ich es höre, dann muß ich an ein paar Stellen regelmäßig heulen, da kann ich nie gegen an. Es denkt sich dann immer in mir: Ja, so ist es, das sind wir. Das sind wir. Das ist das eigentlich Tröstliche, das ungeheuer Tröstliche an dieser Musik. Und ich bin ansonsten nun wirklich kein Brahmsianer. Aber vielleicht ist es auch gar nicht das Deutsche, vielleicht ist es das Preußische, das durch meine Mutter in mich hineingefunden hat, und dem ich beglückt bei manchen Künstlern wieder begegne: Schinkel, Kleist, Beckmann, Johnson, Günter de Bruyn, Peter Huchel, Johannes Bobrowski. Den Johnson liest Du ja gerade, vergiß diesen Gedanken mal nicht bei der Lektüre. Da kommt heute keine Sau mehr drauf, weil das ein Wertesystem ist, das abhanden kam, auch im Gefolge von Herrn Hitler. Es ist eben leider zu wichtigen Teilen diskriminiert, ich fürchte, für immer.“ Rainer Baginski März 2007

Johnny macht Elvis

ein kleiner Troost, für Johnny Cash Fans? Nach dem ergreifend hinreißend-traurigen Hurt Video kleine Portion Humor a la Cash? Johnny Cash macht Elvis Presley nach. since my Baby left me. Auch schön Mr. Cash mit Ghostriders in der Muppet Show. Und weils so schön ist, solls auch so schön bleiben, mit Highwayman von den Highwayman Willie Nelson, Waylon Jennings, Kris Kristofferson und Johnny Cash. Kleines Video zur Kooperation Rick Rubin/Johnny Cash

9927349 youtube Views für Hurt

Hurt. Geschlagen. Johnny Cash ein Jahr vor seinem Tod.

What have I become
My sweetest friend
Everyone I know goes away
In the end
And you could have it all
My empire of dirt….

Es zieht die Schuhe aus. Bin sehr gerührt, wundere ich mich? neunmillionenneunhundertsiebenundzwanzigtausenddreihundertneunundvierzig mal gespielt. Ansehen? Ansehen ! Hurt Top 100 der Videocplis von Michael Kavkas/Die Zeit:“ Selten war einem der Künstler in einem Video so nah. Johnny Cash, der einsame, angsterfüllte, dem Tod geweihte, große, würdevolle Mann. Und wenn er am Ende den Pianodeckel schließt und mit den Händen darüber streicht, ist man spontan geneigt, eine Gedenkminute einzulegen“. Kavkas: Platz 3 für dieses Video. Justin Timberlake zur MTV Award Vergabe: „Cash habe mit Hurt den Preis für das beste Pop-Video mehr verdient als er“.

Kenne einige, die Gedenkstunden einlegen. Hurt produzierte Rick Rubin, der am 11. September 2003 mit Johnny Cash telefonierte. Neue Abmischungen von Unearthed seien per Post unterwegs. Die konnte er nicht mehr hören, einen Tag später verstarb er. Der Text ist von NINE INCH NAIL, auch auf Youtube zu hören, but not as good as the way he did it. Empfehlen möchte ich Franz Dobler „The beast in me“, er schreibt wunderschön lebendig über „The Man in Black“, musste mehrmals heftig lachen. Auch demaskiert er die Nashville-Country-Radio Mafia, die u.a. Johnny Cash American Recordings boykotierte. Und was tat Johnny? Er schaltete eine Anzeige, die die ihn mit Stinkefinger zeigt. Hut ab, und mehr: zu sehen in Doblers Buch. Dobler erzählt u.a. über Johnny`s „Abschiedsgeschenk“ für eine ignorante Recordcompany. Köstlich und empfehlenswert. Das Video dazu: „Chicken in black“

Gebt mal Feedback, please.

Josef Brodsky

Brodsky schrieb Venedig Literatur Fondamenta degli Incurabili, Ufer der Unheilbaren – würde ich es übersetzen. Heißt aber: Ufer der Verlorenen; dabei fühlt man sich als Leser so gar nicht verloren in diesem Werk. Ein Satz daraus „Das Schiff fuhr langsam durch die Nacht, wie ein schlüssiger Gedanke durch das Unbewußte“. Man könnte versucht sein, sofort nach Venedig reisen zu wollen. Eine Empfehlung, wählen Sie auch Brodsky`s bevorzugten Venedig Monat. Das gleiche für den Osten: Erinnerungen an St. Petersburg. Der Nobelpreisträger zum Hören. Merci Youtube, Club der toten Dichter.